Schottland im eigenen Takt: Elf Tage Mietwagen zwischen Edinburgh, Skye und Single Track Roads
Manche Länder vertragen keine Eile. Schottland gehört dazu. Wer hier mit der Stoppuhr durch die Highlands fährt, verpasst genau das, wofür man angereist ist: Nebel, der über Moore zieht, Fischerdörfer mit einem Pub, in dem die Zeit stillsteht, und Straßen, auf denen Schafe öfter vorbeikommen als Autos. Wir haben eine Elf-Tage-Route zusammengestellt, die auf genießerische Fahrer ausgelegt ist – mit genug Puffer, um auch mal anzuhalten, einfach weil die Aussicht es verlangt.
Tag 1–2: Edinburgh, aber richtig
Starten Sie mit zwei Nächten in Edinburgh und holen Sie Ihren Mietwagen erst am Ende des Aufenthalts ab – in der Innenstadt brauchen Sie ihn nicht. Ein Tag gehört der Royal Mile und dem Arthur's Seat, der zweite reicht für einen Ausflug mit Zug oder Bus. Erst wenn die Stadtmetropole sitzt, geht es ans Steuer.
Tag 3–4: Über Glencoe in die Highlands
Die Strecke nach Norden über Stirling und Glencoe ist nur rund 270 Kilometer lang – planen Sie trotzdem einen halben Tag ein. Glencoe gehört zu den landschaftlich stärksten Tälern Europas, und die vielen Fotostopps fressen Zeit. Übernachtungen finden Sie rund um Fort William oder am Loch Linnhe.
Tag 5–6: Loch Ness und der Weg nach Westen
Von Fort William lohnt sich der Schlenker über die Great Glen nach Inverness und zum Loch Ness. Ob Sie das Monster sehen, sei dahingestellt – die Uferstraßen und die Ruine von Urquhart Castle lohnen den Abstecher allemal. Von Inverness aus führt die Route dann Richtung Westküste, dem Tor zur Inselwelt.
Tag 7–9: Isle of Skye – Zeit statt Kilometer
Skye ist das Herzstück dieser Reise, und sie braucht mindestens zwei volle Tage. Die Old Man of Storr-Wanderung, die Klippen von Quiraing, die bunten Häuser von Portree: Nichts davon ist weit voneinander entfernt, aber alles geht nicht an einem Tag. Buchen Sie Ihre Unterkunft auf der Insel früh – das Angebot ist begrenzt und schnell ausgebucht.
Wichtig für die Inselplanung:
- Fähren zu den Inneren Hebriden (z. B. Mallaig–Armadale) sollten Sie vorab online reservieren, besonders zwischen Mai und September.
- Die Rückfahrt vom Festland aus erspart Ihnen oft die längste Warteschlange.
- Fähren nehmen nur begrenzte Fahrzeuge pro Abfahrt mit – Flexibilität bei den Zeiten hilft.
Tag 10–11: Der Rückweg mit Aussicht
Die Rückfahrt nach Edinburgh oder Glasgow sollte nicht auf der Autobahn erfolgen, sondern durch das Herz der Highlands – über Rannoch Moor oder entlang des Loch Lomond. Wer am letzten Tag noch Zeit hat, gönt sich eine Nacht in Glasgow: unkomplizierter als Edinburgh, mit hervorragendem Essen und einem Flughafen, von dem der Rückflug oft günstiger ist.
Linksverkehr: weniger Drama als gedacht
Der Linksverkehr schreckt viele ab, ist aber nach einer Stunde kaum noch ein Thema. Ein paar Tricks helfen über die ersten Kilometer:
- Wählen Sie ein Fahrzeug mit Automatikgetriebe – dann bleibt Ihre rechte Hand frei für den Schalthebel-Reflex, den Sie nicht brauchen.
- Merksatz für Kreisverkehre: Im Uhrzeigersinn, immer von links kommen lassen.
- Der Beifahrer erinnert in den ersten Tagen freundlich an die Mittellinie.
Single Track Roads: Das ungeschriebene Regelwerk
Auf Skye und in den abgelegeneren Regionen sind viele Straßen nur einspurig. Das klingt riskanter, als es ist, wenn man die paar Regeln kennt:
- Passing Places (die kleinen Ausbuchtungen am Rand) dienen dem Ausweichen – und zwar dem entgegenkommenden Fahrzeug, nicht dem Überholen.
- Steht ein Passing Place auf Ihrer Seite, warten Sie dort. Ist er gegenüber, lassen Sie den anderen vorbeifahren.
- Ein kurzes Anheben der Hand als Dank gehört zum guten Ton.
- Nie in Passing Places parken, nicht einmal für ein Foto.
Praktisch zum Schluss
Buchen Sie Ihren Mietwagen mit ausreichend Kilometern und prüfen Sie, ob die Fähren mit dem Fahrzeug in der gebuchten Kategorie möglich sind – ein Kompaktwagen reicht auf allen hier genannten Strecken völlig aus und macht das Fahren auf schmalen Straßen ohnehin angenehmer. Eine Kreuzfahrtschiff-Kette an der Windschutzscheibe? Nicht nötig. Aber ein Regenc overlook-Vertrag mit der schottischen Wettergöttin schadet nie: Alle vier Jahreszeiten können an einem Tag vorkommen, und genau das gehört zum Erlebnis dazu.