Hügelstädte, Chianti und keine Eile: Ihre erste Toskana-Rundfahrt ab Pisa – Schritt für Schritt
Photo: Luca Casartelli, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Italien mit dem eigenen Lenkrad – für viele deutsche Urlauber klingt das nach dem großen Abenteuer. Tatsächlich ist die Toskana genau der richtige Spielplatz, um es zum ersten Mal zu wagen: kurze Distanzen, gut ausgebaute Straßen, landschaftlich wird man ohnehin für jede Schleierwolke belohnt. Der Trick liegt weniger im Fahren als im Planen. Hier kommt unsere bewährte Wochenroute, wie wir sie Einsteiger-Kundschaft in unserer Beratung immer wieder empfehlen.
Ankommen, einschwingen: Pisa und die Küste
Wer am Flughafen Pisa landet, hat einen kleinen Vorteil gegenüber Florenz: Der Mietwagen-Schalter liegt überschaubar, die Herausfahrt aus der Stadt geht zügig. Unser Rat: Den ersten Tag nicht verplanen. Pisas Schiefer Turm und die Arno-Uferpromenade lassen sich am Anreisetag erledigen – zu Fuß, das Auto bleibt sicher geparkt.
Für die erste Nacht empfiehlt sich dann ein Stopp Richtung Küste, etwa in der Gegend um Bolgheri oder Castiglioncello. So starten Sie am nächsten Morgen entspannt in die eigentliche Rundfahrt, statt morgens durch Pisa-Rushhour zu kurven.
Etappe eins: San Gimignano und das Elbatal
Von der Küste schlagen Sie die Kurve ins Landesinnere. Ziel: San Gimignano, die Stadt der mittelalterlichen Geschlechtertürme, die schon von Weitem über die Hügel ragt. Die Strecke dauert gut zwei Stunden – machen Sie zwischendurch Halt in Volterra, wenn der Kalender es hergibt. Die etruskische Altstadt ist deutlich ruhiger als ihr berühmter Nachbar.
Wichtig für die Zeitplanung: Zehn Kilometer Landstraße in der Toskana können zwanzig Minuten dauern. Rechnen Sie mit einem Schnitt von 50 bis 60 km/h, dann bleibt die Fahrt Urlaub statt Arbeit.
Etappe zwei: Chianti und Siena
Weiter geht's über die SR 222, die Chiantigiana – eine der schönsten Landstraßen Italiens überhaupt. Zypressenalleen, Weingüter mit Verkostungsschildern, Dörfer mit Namen, die man von den Etiketten kennt. Planen Sie einen halben Tag für ein Gut mit Degustation ein; viele bieten auch ein Mittagessen an. Und: Wer probiert, sollte vorher abklären, wer fährt. Ein Designierter-Fahrer-System funktioniert im Urlaub genauso wie zu Hause.
Siena selbst verdient eine ganze Nacht. Der Piazza del Campo, die dreimal im Jahr zum Pferderennen wird, lässt sich abends in Ruhe genießen, wenn die Tagesausflügler weg sind.
ZTL verstehen: Das wichtigste Kürzel Ihrer Reise
Hier kommt der Punkt, über den man in keinem Reiseführer genug liest: die Zona a Traffico Limitato, kurz ZTL. Fast jede toskanische Altstadt – Siena, Lucca, Florenz, San Gimignano – ist mit automatischen Kameras bewacht. Fahren Sie ohne Genehmigung hinein, landen die Bußgelder einige Wochen später beim Vermieter des Mietwagens, plus Verwaltungsgebühr obendrauf.
So umgehen Sie den Ärger:
- Parken Sie außerhalb. Jede Altstadt hat großzügige Parkplätze am Rand, meist mit Beschilderung "P" und Farbcode.
- Achten Sie auf die Farben: Weiß ist meist kostenlos oder günstig, blau ist gebührenpflichtig (Stundenmarke am Automaten ziehen), gelb ist Anwohnern vorbehalten – niemals dort stehen.
- Vertrauen Sie dem Navi nicht blind. Die kürzeste Route führt leider oft mitten durch die ZTL. Besser: "Parkplatz" als Ziel eingeben, nicht das Hotel in der Altstadt.
Etappe drei: Val d'Orcia – die Postkartenmeile
Von Siena aus lohnt sich ein Abstecher in den Süden: Das Val d'Orcia mit seinen sanften Hügeln, einzelnen Zypressen und dem malerischen Pienza ist UNESCO-Welterbe und liefert bei gutem Wetter Fotos, die man kaum bearbeiten muss. Montepulciano und Montalcino liegen praktisch auf dem Weg – falls Sie also noch einen Rotwein für den Heimkoffer suchen, werden Sie hier fündig (Zollfreimengen für die Einfuhr nach Deutschland beachten).
Rückweg über Florenz oder direkt nach Pisa?
Zum Abschluss stehen zwei Optionen zur Wahl. Variante A: Sie geben den Wagen in Florenz ab und verbringen den letzten Tag dort zu Fuß – Uffizien, Dom, Ponte Vecchio. Variante B: Sie fahren zurück nach Pisa und sparen die Anmietgebühr für eine zweite Station. Für Einsteiger empfehlen wir meist Variante B; Florenz lässt sich wunderbar als eigener Städtetrip später besuchen.
Mietwagen-Praxis für Italien
Ein paar Dinge, die Sie vorab klären sollten:
- Getriebe: Automatik ist in Italien knapp und teurer – früh buchen lohnt sich.
- Größe: Kompaktklasse reicht völlig; die Gassen in den Dörfern sind eng, und kleinere Autos finden leichter Parklücken.
- Versicherung: Eine Vollkasko ohne Selbstbehalt nimmt in engen Parkhäusern viel Nervosität.
- Buchung: Vergleichsportale nutzen, aber die Stornobedingungen prüfen – besonders bei der Kaution und der Kraftstoffregel.
Fazit: Langsam fahren, viel sehen
Eine Woche klingt knapp, reicht aber, wenn Sie maximal zwei Übernachtungsorte wählen und Tagesausflüge von dort machen. Die Toskana belohnt alle, die es ruhig angehen: ein Espresso am Dorfplatz, eine unbekannte Landstraße, der Blick über die Hügel bei Sonnenuntergang. Genau dafür sind Sie ja selbst gefahren.