Der Weg ist das Ziel: Sechs Traumstraßen zwischen Alpen und Adria
Photo: Krzysztof Golik, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Es gibt Fahrer, die wollen schnell ans Ziel. Und es gibt Fahrer, die den Umweg lieben. Dieser Artikel ist für Letztere. Zwischen den österreichischen Alpen und den Julischen Alpen Sloweniens reihen sich Panoramastraßen aneinander, wie sie spektakulärer kaum sein könnten – und mit dem Mietwagen lassen sie sich hervorragend kombinieren. Wir stellen sechs Strecken vor und räumen nebenbei mit den wichtigsten Fragen zu Vignette, Maut und Pflichten im Ausland auf.
1. Salzkammergut: Seenroute rund um Bad Ischl
Zwischen Salzburg und Bad Ischl schlängelt sich die B145 an Wolfgangsee und Mondsee vorbei. Keine Hochgebirgsdramatik, sondern sanfte Postkartenidylle: türkisgrüne Seen, Holzchalets, im Hintergrund das Höllengebirge. Perfekt als gemütliche Etappe auf dem Weg in Richtung Süden – und im Herbst, wenn der Nebel über den Seen hängt, besonders stimmungsvoll.
2. Großglockner Hochalpenstraße: Das Klassiker-Erlebnis
Ja, sie kostet Eintritt – rund 40 Euro für ein TagesTicket pro Pkw (Stand kann variieren). Ja, sie ist touristisch. Und trotzdem: Die 48 Kilometer auf 2.504 Meter hinauf zum Fuscher-Törl und weiter zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe mit Blick auf Österreichs höchsten Gipfel gehören für viele zu den stärksten Fahrerlebnissen überhaupt. Öffnungszeit: etwa Mai bis Anfang November, je nach Schneelage. Vorher online den Status prüfen.
3. Nockalmstraße: Der leise Bruder
Wer dem Großglockner-Trubel entkommen will, fährt die Nockalmstraße in den Nockbergen. 35 Kilometer sanfte Kurven durch eine eigentümlich weiche Berglandschaft – die "Nocken" wirken fast wie abgerundete Wolldecken. Weniger Verkehr, viele Aussichtspunkte, ideale Strecke für entspanntes Fahren.
4. Villacher Alpenstraße: Klein, fein, nah an Slowenien
Nur 16,5 Kilometer lang, aber mit 250 Kurven und einem Rundblick, der bis Slowenien und Italien reicht: Die Villacher Alpenstraße startet direkt bei Villach und eignet sich auch als kurzer Nachmittagsausflug. Sie ist die älteste Österreichs – und die perfekte Überleitung zur nächsten Etappe.
5. Vršič-Pass: Sloweniens Serpentinen-Königin
Über die Grenze, und die Landschaft wird rauer, wilder, grüner. Der Vršič-Pass (auf Deutsch: Wurzenpass-Nachbar, auf Slowenisch ausgesprochen wie es klingt) verbindet Kranjska Gora mit dem Soča-Tal über 50 Kehren, teils Kopfsteinpflaster, gesäumt von Latschenkiefern. Die Soča selbst fließt in einem Türkis, den man sonst nur von Karibikfotos kennt – Rafting und Wandern inklusive.
Wichtig: Der Pass ist schmal und im Frühjahr und Herbst gelegentlich gesperrt. Wohnmobile ab einer gewissen Länge sollten umkehren – mit dem Pkw kein Problem.
6. Triglav-Nationalpark und Bohinj: Die ruhige Vollendung
Zum Ausklang: die Strecke vom Soča-Tal über den Pass Vršič oder die Alternativroute nach Bohinj und Bled. Der Bohinj-See ist der größere, ruhigere Bruder des berühmten Bleder Sees – hier endet eine solche Rundfahrt am besten mit einem Kaffee am Ufer und dem Blick auf die Karawanken.
Vignette, Maut, Winterreifen: die Regel-Lagen
Damit die schöne Fahrt nicht mit einem Verwaltungsbescheid endet, die wichtigsten Punkte:
Österreich: Auf Autobahnen und Schnellstraßen gilt die Vignette – digital per Website oder App buchbar, für zehn Tage oder zwei Monate. Einzelne Sondermautstrecken (Großglockner, Nockalm, Villacher Alpenstraße, Tauern- und Karawankentunnel) werden separat kassiert. Wichtig für Mietwagen-Fahrer: Fragen Sie bei der Übernahme, ob eine Digitale Vignette auf das Kennzeichen hinterlegt ist oder ob Sie selbst eine kaufen müssen – Doppelzahlsperren helfen hier.
Slowenien: Auch hier Vignettenpflicht auf Autobahnen, ebenfalls digital erhältlich und deutlich günstiger als in Österreich. Wer nur die Landstraßen wie den Vršič nutzt, braucht keine.
Winterreifen: In Österreich besteht vom 1. November bis 15. April bei winterlichen Verhältnissen Winterreifen- oder Schneekettenpflicht. Seriöse Vermieter stellen in dieser Zeit ohnehin winterbereifte Fahrzeuge – das sollten Sie vor der Buchung aktiv nachfragen.
Routen-Tipp zum Schluss
Alle sechs Strecken lassen sich in fünf bis sieben Tagen zu einer Rundfahrt verbinden: Anreise etwa über Salzburg, dann Salzkammergut, Großglockner oder Nockalm, Villach, Slowenien, Rückweg über Kärnten. Buchen Sie die Unterkünfte im Sommer vorab – der Triglav-Nationalpark ist längst kein Geheimtipp mehr. Und gönnen Sie sich zwischendurch einen Tag ohne Fahrt: Die Berge wirken auch vom Seeufer aus beeindruckend.